ohne vorher?

neu anfangen
im jetzt
es kommt von vorher
das jetzt
gibt es neu anfangen
ohne jetzt
ohne vorher?

ist es nicht
aufbruch
ich stehe im jetzt
ich komme von vorher
aber ich breche auf

und ich mache diesen
ersten schritt
und mein fuss hängt in
der luft
und ich zögere
– vorsichtig immer –
und dann spüre ich:
fester boden
es gibt
den aufbruch

es ist der erste schritt
aus dem jetzt
das von vorher kommt

du stellst meine füsse auf weiten raum

von Claudia Steinemann, Leserin von siebenwochen.me

 

Morgen

Im frühen Gold
sang eine Vogelstimme.
Nur eine Amsel,
gar nicht welterschütternd –

und doch: Wie sehr
erschüttert mich
der Klang.

Iréne Anwert (*1958)
Herkunft leider unbekannt

Der Anfang der Weisheit

Psalm 111 (BigS)

1 Hallelujah! Lobt * Jah!

Ich danke  Adonaj von ganzem Herzen im Kreis derer,

die aufrecht gehen, und in der * Gemeinde.

2 Gewaltig sind die Taten a Adonajsa.

Alle, die sich danach sehnen, können nach ihnen fragen.

3 Voll Pracht und Glanz ist Gottes Wirken.

Gottes * Gerechtigkeit besteht für alle Zeit.

4 Ein Gedenken hat Gott den eigenen wunderbaren Taten gestiftet.

Zuneigend und mitfühlend ist a Adonaja.

5 Gab Beute denen, die Gott in * Ehrfurcht begegnen,

und gedenkt auf Dauer seines * Bundes.

6 Die Kraft seiner Taten teilt Gott seinem * Volk mit,

um ihm das Erbe der * Nationen zu geben.

7 Die Taten der Hände Gottes: * Zuverlässigkeit und * Recht.

Zuverlässig sind alle Anordnungen Gottes,

8 für alle Zeit und * auf Dauer verankert,

zuverlässig und aufrecht erlassen.

9 Befreiung sandte Gott seinem Volk, setzte auf Dauer seinen Bund.

* Heilig und furchterregend ist der Name Gottes.

10 Der Anfang der Weisheit ist die * Furcht  Adonajs,

ein tiefes Begreifen für alle, die dies tun.

Das Lob Gottes steht für alle Zeit.

Haben Sie den Anfang in diesem Text entdeckt? Ist das ein Anfang, mit dem wir immer wieder neu beginnen? Kann ein Mensch Weisheit üben? Was denken Sie?

Vom Zwang, neu anzufangen

Gibt es einen Zwang, immer neu anzufangen? Der Soziologe Richard Sennett hat schon vor der Jahrtausendwende von der zunehmenden Flexibilisierung und den Folgen für Menschen geschrieben. Seine Analyse des Arbeitsmarktes hat er z.B: so zusammmengefasst:

„Das sichtbarste Zeichen dieses Wandels könnte das Motto >nichts Langfristiges< sein. In der Arbeitswelt ist die traditionelle Laufbahn, die Schritt für Schritt die Korridore von ein oder zwei Institutionen durchläuft, im Niedergang begriffen. Dasselbe gilt für das Hinreichen einer einzigen Ausbildung für ein ganzes Berufsleben. Heute muss ein junger Amerikaner mit mindestens zweijährigem Studium damit rechnen, in vierzig Arbeitsjahren wenigstens elfmal die Stelle zu wechseln und dabei seine Kenntnisse wenigstens dreimal auszutauschen.“(Richard Sennett, Der flexible Mensch, 1998, S.25)

Stimmt die Behauptung für Sie? Werden uns heute mehr Anfänge abverlangt als früher? Ist die Bereitschaft zum Neuanfang darum heute etwas, was wir vielleicht kritisch hinterfragen sollten?

ein Stück Überraschung

Joh 3,1 Es war aber einer unter den Pharisäern, sein Name war Nikodemus, einer vom Hohen Rat der Juden. 2 Dieser kam zu ihm in der Nacht und sagte: Rabbi, wir wissen, dass du als Lehrer von Gott gekommen bist, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist. 3 Jesus entgegnete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wer nicht von oben/ von Neuem geboren wird, kann das Reich Gottes nicht sehen. 4 Nikodemus sagt zu ihm: Wie kann denn ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Er kann doch nicht ein zweites Mal in den Schoss der Mutter gelangen und geboren werden? 5 Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wer nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann nicht in das Reich Gottes gelangen. 6 Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. 7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von oben/ von Neuem geboren werden. 8 Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, weisst aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Das griechische Wort „ανωθεν“, anothen, bedeutet sowohl „von oben“ also auch „von Neuem“. „Von oben“ verstehe ich als die Sphäre des umfassend Göttlichen und denke es mit „von Neuem“ zusammen: alles Neue wird aus Göttlichem geboren. Es enthält ein Stück Überraschung, das ich nicht selbst machen kann.