Abendmahl zu Pfingsten

Pfingsteucharistie

Da sitzen alle um einen Tisch: Maria von Nazareth und der Zwölferkreis. Das ist auch schon alles, was dieses Bild mit dem Pfingstfest verbindet, denn alles andere ist ins Bild gebrachte Theologie:

  • Am runden Tisch fallen rote Linien auf, die sich von einem Kreis in der Mitte zum Mund von jeder einzelnen Person hinziehen: ob sie die „Zungen wie von Feuer“ (Apg 2,3) symbolisieren? Auf jeden Fall wird sichtbar, wie kon-zentriert die Menschen um den Tisch versammelt sind (Mt 18,20) : aufmerksam hörend auf die Gestalt, von der nur der Hinterkopf zu sehen ist
  • Marias Hände sind in der Geste der Anbetung vor der Brust zusammengelegt – von den anderen Menschen am Tisch ist jeweils höchstens eine Hand zu sehen, nicht in der Gebetshaltung sondern gestikulierend: erinnert diese Geste daran, dass Maria „alle diese Worte (behielt) und bewegte sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,51 uö)? Die goldene Wand und die Sitzbank aus Blumenranken sind unräumlich, zart ziseliert, „nicht von dieser Welt“ und wecken den Anschein, als befinde sich der Tisch bereits im „Reich Gottes“, von dem in der Pfingsterzählung nirgends die Rede ist.
  • Eine Taube, die sich – wie ein Raubvogel – senkrecht aus dem Himmel stürzt, trägt weder einen Ölzweig wie bei Noa (Gen 8,11), noch ein Spruchband wie bei der Ankündigung der Geburt oder der Taufe Jesu, sondern eine Hostie, wie sie in der Eucharistiefeier den Leib Christi präsentiert.
  • Die runde Tischmitte sieht wie ein Loch aus. Doch ist dieses zu klein, um die Hostie aufzunehmen. Es könnte – in der Tradition der Mystik – auf die Leere hindeuten, die Gott ist.
     

    Erzählt der Maler also, dass sich schon der erste Kreis um Jesus an Pfingsten zum Abendmahl gesammelt hatte? Erzählt er, dass die Taube – die in der Regel die Heilige Geistkraft darstellt – die Oblate/Hostie mit dem Sinn erfüllt, der begreifen lässt, was das Abendmahl bedeutet?

    Ich kenne die Antwort nicht – aber das Bild regt mich an, es wieder und wieder zu betrachten und darüber nachzudenken.

    Die runde Tischmitte sieht wie ein Loch aus. Doch ist dieses zu klein, um die Hostie aufzunehmen. Es könnte – in der Tradition der Mystik – auf die Leere hindeuten, die Gott ist.

 

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