Beim Namen rufen

Damit man einander anreden kann, muss man den Namen des Gegenübers kennen. Und wer eine andere Person beim Namen nennen kann, hat in gewisser Weise Macht über sie.

Gott gibt seinen Namen preis: „Ich-werde-sein“ (Ex 3, 14): JHWH. Dass es heikel ist, wenn Menschen von Gott mit diesem Namen sprechen, leuchtet sofort ein – denn wer wollte nicht in jedem Fall sicher sein, ob jemand gerade von Gott oder von sich selbst spricht? Darum ist der Name so heilig, dass er nicht ausgesprochen werden kann und stattdessen verschiedene Platzhalter verwendet werden: „Der Name“ oder „der Ewige“ – und leider im deutschen Sprachraum fast immer „der Herr“.

Umgekehrt spricht Gott Menschen mit ihrem Namen an, ja, gibt ihnen überhaupt erst ihren Namen: in Jes 43 ist dabei wohl weniger an den individuellen Person-Namen gedacht als vielmehr an den Namen „Israel“, – „Gott streitet für uns“, den Jakob nach der Begegnung am Jabbok von Gott bekommt (Gen 32,29)

Das muss niemanden davon abhalten, den Verheissungssatz aus Jes 43,1 für sich persönlich in Anspruch zu nehmen: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.“ Wer sich so von Gott ansprechen lässt, kann umgekehrt Gott beim Namen nennen. So entsteht eine gegenseitige Beziehung. Gott und Menschen werden zu Angesprochenen und Gemeinten wie zu Ansprechenden und Meinenden.

 

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